Peter Dahmen

Nun will ich etwas aus meinem Quartier schildern...

Brief No. 7

Russland, den 15.01.1942

 

Mein liebes, kleines Petralein und liebe Mutti
Auch heute will ich Dir, liebe Mausi und Dir, liebe Mutti, einige Zeilen schreiben. Vor allen Dingen will ich Euch beiden mitteilen, dass es dem lieben Papa noch immer sehr gut geht. Wie geht es dir liebe Petra und Dir liebe Mutti? Hoffentlich auch noch recht gut. Soeben habe ich gehört, dass der Urlaub wieder gesperrt sein soll. Es ist doch was Schlimmes, nicht wahr? Augenblicklich bin ich wieder allein im Quartier; denn Theo Schäfer und Jupp Quieskamp sind gestern Morgen abgefahren, um Kohlen zu holen. Eigentlich hätten sie gestern Abend wieder zurück sein müssen, sind aber bis heute Abend noch nicht wieder eingetroffen. Wir wissen auch nicht, wo sie geblieben sind. Vielleicht haben sie sich verfahren; oder haben was am Wagen und sind irgendwo in einer Werkstatt. Es ist nichts, wenn man so alleine ist. Da will ich mir nun die Zeit vertreiben, in dem ich an Euch denke und diese Zeilen schreibe. Soeben habe ich die Brieftasche genommen und sämtliche Bilder angesehen. Jedes Bild ist immer wieder anders. Dann kommen einem die Gedanken an zu Hause; an seine Lieben. -
Nun bin ich gestört worden, dadurch, dass meine beiden Schlaf Kumpanen jetzt im Moment zurückgekommen sind. – Gott sei Dank auch! –
Nun will ich mal etwas aus meinem Quartier schildern. Die Familie besteht aus Vater, Mutter und einer Tochter. Die Tochter ist verheiratet, ihr Mann ist noch hier, ist auch kein Soldat gewesen und sie haben zwei Töchter. Sehr hübsche Kinder; besonders die Jüngste. Die Älteste ist 6 Jahre und die Jüngste drei Jahre alt. Nur schade, dass man sie nicht verstehen kann. – Nun will ich noch etwas warten, denn die Kameraden haben sechs Sack Post mitgebracht.
Nun sind wir schon wieder einen Tag weiter. Heute ist der 16.01.1942. - Ich kann Dir aber auch die freudige Mitteilung machen, dass ich gestern Abend Dein Weihnachtspäckchen erhalten habe, mit all' den schönen Sachen. Meinen herzlichsten Dank auch. - Nur eines habe ich vermisst, denn ich hätte bestimmt gedacht, mein Weihnachtsgeschenk, welches doch so solide war, in dem Päckchen gefunden zu haben. Ich hatte Dir nämlich geschrieben, dass mein Weihnachtswunsch nur darin bestände, mir doch eine Mutzpfeife zu schicken. Hast Du es vergessen? Oder ist mein Brief mit dem Wunsch nicht angekommen? Vielleicht ist der Brief auch später angekommen, dass Du das Päckchen schon abgeschickt hattest?
Aber sonst habe ich mich bestimmt über all' die Sachen sehr gefreut, besonders über das Gebäck als Ersatz für Printen. Die sind ja sehr gut ausgefallen. Da gebührt Dir liebe Mutti, ein ganz besonderes Lob. Auch all' die lieben Zeilen von Petralein und von Dir liebes Muttilein. Auf den Zetteln und Zigarettenschachteln steht: Petra meinte ja, wenn ich Weihnachten nicht zu Hause wäre, dann würde Mutti weinen. Ja, das glaube ich, dass Mutti das auch getan hat. Aber der liebe Papa hat auch so eine Sehnsucht nach Euch gehabt, als wir unsere Weihnachtsfeier hatten. Direkt geweint habe ich ja nicht, aber die Tränen standen mir auch in den Augen. Wenn ich allein gewesen wäre, hätte ich mich auch nicht halten können. – Nun habe ich insgesamt 6 Päckchen erhalten. Ein Päckchen von Mutter aus Düsseldorf; eins von Gretchen; eins von der Partei; eins von Twickels; eins von der Gefolgschaft von Twickels und gestern Abend kam Dein Päckchen. – Nun kann man ja wohl zufrieden sein, nicht wahr? – Sind meine Päckchen auch alle über gekommen? Nach den letzten drei, die ich Dir im Brief vermerkt habe, habe ich noch keine wieder abgeschickt. Die Aktion steigt aber in den nächsten Tagen.
Nun meine Lieben, seid für heute recht herzlich gegrüßt und tausendmal ganz lieb geküsst von
Eurem lieben Pappa. Auf Wiedersehen!