Johannes Hardt

Ich liege hier mitten in der Tschechei und bin in russischer Kriegsgefangenschaft. 

Liebe Eltern und Geschwister!    

Im Lager, den 13.08.1945

 

Ich hoffe, dass Euch dieser Brief in bester Gesundheit erreichen wird. Es geht mir soweit auch gut und ich denke in nächster Zeit nach Hause zu kommen. Ich liege hier mitten in der Tschechei und bin in russischer Kriegsgefangenschaft. Ihr braucht Euch bestimmt keine Sorgen machen und laufen lässt uns der Russe zum Winter bestimmt noch, also hoffen wir, dass wir uns bald wiedersehen. Hoffentlich treffe ich bei Euch alles noch so ziemlich beim Alten an, dass der Tommi nichts kaputt gemacht hat. Eine Dummheit habe ich ja begangen, dass ich vom RAD nicht einfach nach Hause gefahren bin, denn drei Tage nach der Entlassung kam der Tommi zu Euch und dann wäre ich schön bei Euch gewesen, anstatt in Oldenburg in den Kasernen. Ich hatte einen Entlassungsschein für nach Hause hin, wir mussten aber im Sammeltransport  direkt nach Oldenburg. Dort sind wir bis kurz nach Ostern gewesen und mussten dann 50 KM bis nach Bremen marschieren und sind von da aus im Sonderzug nach Böhmen und Mähren gefahren. Ich habe, seitdem ich bei Euch weg bin, keine gute Verpflegung mehr gehabt. Aber das ist ja alles nicht schlimm, wenn ich Euch bloß bald wiedersehe.

Bloß die Tage, als wir uns zurückgezogen haben, hab ich bloß Schokolade und Kuchen und Büchsenfleisch gegessen. Aber das waren nur zwei Tage. Danach kam ich in Gefangenschaft. Aber darin hatten wir es uns schlechter vorgestellt. Die Unterkunft war allerdings mies, nämlich draußen im Freien und das war nicht angenehm beim Regen. Aber das wurde alles besser. Aber wie werden wir uns erst fühlen, wenn wir wieder in ein schönes weiches Federbett kriechen können. Auch der Tag kommt bald wenn ich dann an das schöne Essen alle wieder denke. Mal wieder so ein richtiges Frühstück mit Schinken, Weiß- und Schwarzbrot, wie wird das noch schmecken.

Jetzt will ich mit allem Träumen aufhören. Also hoffen wir, dass wir uns in einigen Tagen oder Wochen wiedersehen, wie lange es noch dauert, weiß ich nicht.

Nochmals viele herzliche Grüße!

Es grüßt Euer Sohn Johannes