Hermann Feldbrügge

Schade, dass ich nicht reisefähig bin, sonst hätte er mich rübergebracht.

Liebe Eltern und Geschwister!                                     Senftenberg, den 01.12.1945


Aus dem Krankenhaus sendet euch die besten Grüße Hermann. Wie geht es euch denn? Noch alles beim Alten? Habt ihr immer noch keine Nachricht aus Essen?
Ich hatte einen sehr guten Bettnachbarn. Von dem habe ich viele Kartoffelpfannkuchen bekommen.
Schade, dass ich nicht reisefähig bin, sonst hätte er mich rübergebracht. Aber das Fieber lässt es noch nicht zu. Ich habe bis jetzt die Karten vom 05.11. und 08.11. erhalten. Ebenso die Briefe vom 11., 12., 16. und 20. und die beiden Päckchen vom 16.
Ich leb jetzt wie die Fürsten! Brot mit Butter, Honig und Kunsthonig. Hier in der Stadt gibt es für Schwerstarbeiter 200 Gramm Butter, wenn was da ist. Frauen und Nichtarbeiter bekommen überhaupt kein Fett. Es gibt 5 Pfund Kartoffeln und 3 Pfund Brot in der Woche. Im Krankenhaus bekommen wir etwas mehr. Habe gerade zum ersten Mal etwas Pudding vom früheren Küchenfräulein bekommen, aber nur für uns vier alte Gäste.
Schickt mir bitte etwas Geld, Seife und Taschentücher. Schickt bitte keinen Tabak, denn das Rauchen habe ich Gott sei Dank noch nicht gelernt. Schreibt bitte bald!
   
Viele Grüße

Hermann