Ernst Klinkenbusch

Wissen Sie, ein Soldat muss schimpfen und klagen.

Mit allem Ach und Krach bin ich endlich dazu gekommen, zu schreiben. Ich hatte den Brief bereits gestern schreiben wollen, aber wir hatten dienstfrei, und da lockt das Schlafen so sehr, dass ich mich nicht dazu entschließen konnte. Seit sechs Monaten hieß es mal wieder:
„Endlich dienstfrei!"
Was das für uns bedeutet und welche Empfindungen uns da bestürmen, werden Sie sich wohl kaum ausmalen können. Sechs Monate haben wir Tag für Tag, mit Ausnahme der Unterrichtstage, am Start gestanden und auf unsere Maschine gewartet.
„Vom Arbeiten gehen die besten Pferde kaputt!"
sagt ein Sprichwort. Ganz so schlimm ist es hier zwar nicht, aber man freut sich doch mal, wenn man sich richtig „auspennen" kann.
Wissen Sie, ein Soldat muss schimpfen und klagen. Wer das nicht kann, ist kein Soldat. So geht es mir auch. Ich könnte und will mir nichts anderes wünschen als unseren Dienstbetrieb hier. Ein Außenstehender kann da gar nicht so richtig mitfühlen, welch ein inniges Vorgesetztenverhältnis hier besteht, das gibt es nur einmal bei der Wehrmacht, und zwar bei uns.
Zum Schluss nochmals herzlichen Dank für das Päckchen. In der Hoffnung, dass ich Ihnen morgen einen „luftigen Gruß" zuwinken darf, grüßt...

(Heimatbrief Nr. 12, 12.09.1941, S. 3 ff)